14. Mai 2009

Aller guten Dinge sind drei

Manchmal  kommt mir Svenserum vor wie ein Traum, vor allem jetzt wo als Befehlshaber so viele Neues auf mich einstürmt. Aber träumen schenkt Kraft und Geschichten berichten von einer anderen Wirklichkeit, von der Anderswelt...

- Und nun der letzte Teil der Geschichte, die mir meine Quelle erzählt hat, aus der ich bald wieder schöpfen werde. Hier also das Ende? der... 


"Geschichte von den drei Zaubergaben"

Vom Waldreich aufs Meer

- Als der Mond das nächste Mal voll und rund über „Svens Lichtung“ aufging, waren sie alle versammelt: die Tiere, der Hus-Tomte aus dem Stall, alle guten Geister aus Wald und Wiesental, der Herr des Weges und der Herr des Feuers  - und die Quellfrau. Es rauschte, flatterte, fiepte, piepste durcheinander bis der Hausgeist Ruhe gebot:"Liebe Freunde! Danke, dass ihr euch hier eingefunden habt. Ihr wisst um die geheimen Kräfte dieser besonderen Nacht, bitte helft zusammen, damit der alte Zauber wieder gelingen kann."
Alle in der Runde hielten den Atem an, selbst der Wind legte sich.

- "Wie der Herr von "Svenserum" mach ich's gern kurz und bündig", fuhr der Hausgeist fort. "Es hat sich längst herumgesprochen, dass er eine neue verantwortungsvolle Aufgabe angenommen hat. Im April ist er als Kapitän der "Astral" in See gestochen. Er spricht unsere Sprache, ist zugleich auf See und hier im Wald daheim. Wer könnte also ein besserer Bote sein? Wir wollen den Menschen, die immer mehr vergessen, dass sie wie wir beseelte Naturwesen sind, wirkmächtige Zaubergaben schicken, damit sie sich endlich wieder besinnen. Tretet nacheinander in die Kreismitte und gebt mir, was ihr an Gaben für die Menschen mitgebracht habt.

- So flog der Uhu heran, schenkte Festigkeit und Weisheit für gute Entscheidungen; der Bussard stieß nieder, legte den scharfen Blick dazu für das große Ganze, die Zusammenschau. Meisen, Kleiber, Zaunkönig flatterten dazwischen und steuerten den ebenso wichtigen Blick fürs Kleine bei und Geschick und Wendigkeit. Die Reiher trompeten: "Zielgenauigkeit auf den Millimeter, klug und geduldig Kurs halten, sich und andere gut steuern, das ist unser Geschenk an die Menschen!" Und die Spechte trommelten dazwischen: "Das klare, deutliche Wort soll nie fehlen!" Die Fledermaus schwebte lautlos eine Runde und brachte den sechsten Sinn selbst in dunkelste Lage.

- Nachdem das Geflatter sich gelegt hatte, trat der Feuerherr bedächtig herzu, klatschte in die Hände und legte den herausspringenden Funken in die offenen Hände des Hausgeistes: "Hier, das Herzensfeuer des Wohlwollens zwischen den Menschen ist meine glühende Gabe, es brenne stetig und aufrichtig in jedem, der weiß um die Zwiegesichtigkeit meines Elements." Das Windrad-Geistchen konnte es kaum erwarten und knarrte aufgeregt in die letzten Worte des Feuerherrn hinein: "Auch von mir Energie, Energie, Energie, die gemahlene, die den modernen Menschen so nötig ist, dazu eine Wunderschraube, damit die Technik den Menschen dienstbar bleibt, sie nie vernichtet." Ein Windstoß fuhr vom Sternenhimmel nieder und jaulte: "Von den Wolkenpferden die Kraft und die geduldige Lenkerhand soll ich bringen, hier Zauberzügel dafür." Erschrocken sprang das Reh zur Seite und sagte dann anmutig zum Hausgeist: "Von uns, den Rehen und den Elchen, die auch herzlich grüßen lassen, kommen Ausdauer, langer Atem, Aufmerksamkeit und sicheres Gespür als Gaben, hier zum Zeichen ein Büschel aus unserem Fell." Zuletzt kamen die Baumtrolle mit der Gabe fest zu stehen und sich anzupassen zu können, ohne sich zu verbiegen, und brachten von der Eiche, die ihren Platz an der Quelle nicht verlassen wollte, eine Eichel mit als Mahnung, nie die letzte Verankerung, das wirklich Wesentliche zu vergessen.

- Der Hausgeist blickte sich um, winkte dann dem "Hus-Tomte", der mit den Worten herlief: "Immer das rechte Wort, das Herzen aufschließt, immer den rechten Gedanken, der Probleme abschließt, das gelingt mit diesem Schlüsselchen." Und zuletzt trat der Hüter des Weges aus dem Waldschatten, zog einen Stein aus der einen, ein Stück Holz aus der anderen Jackentasche und brummte: "Immer den rechten Weg zur rechten Zeit wählen, jederzeit in sich zu Hause und geerdet bleiben, dabei den Humor nicht vergessen, das habe ich den Menschen anzubieten." "Und Übermut, leichten Sinn, nicht zu vergessen", keckerte das Eichhörnchen dazwischen und turnte eine Fichte hinauf. In dem Moment kitzelte den Hausgeist etwas an der Nase, eine Spinne hatte sich vom Zweig über ihm herabgelassen und bat bescheiden: "Vergeßt uns nicht, wir schenken das Zarte, den Blick für die fast unsichtbaren Zusammenhänge, das feine Ohr für die leisen Töne und die Wertschätzung fürs Unscheinbare."

- Der Hausgeist nahm behutsam den Tautropfen aus dem Spinnennetz, warf dann das Netz über die aufgehäuften reichen Gaben, zog es blitzschnell zusammen. Er wirbelte, die geheimnisvollen Zauberworte auf den Lippen, einmal um die eigene Achse und eine gleißende Glutkugel flog in die Luft, dass die Nacht für Augenblicke taghell wurde und alle auf der Lichtung sehen konnten: Der Tautropfen wurde zu Kristall und umschloss unverlierbar alle Gaben. Der Hausgeist fing die Kugel und rief den Tieren und Geistern zu: "Dank euch allen, der Zauber ist gelungen! Eure Gaben für die Menschen sind nun im Zauberglas bewahrt und haben hundertfache Kraft gewonnen. Wer immer diese Kugel berührt, wird jeweils genau die Gabe wirken fühlen, die in dem Augenblick gerade nötig ist. Wer sie mißbraucht, dem zerrinnt sie zu Tau zwischen den Fingern."

- Dann trat der Hausgeist zu den Wurzelstöcken der gefällten Bäume auf der Lichtung. Die abgestreiften Harztränen rollte er zu einer Kugel und warf auch sie in die Luft. Sanft leuchtend fiel sie in des Hausgeists Hände zurück und war zu Bernstein geworden. "Diese Bernsteinkugel birgt den Duft des Waldes, sein Rauschen, seine Wurzeltiefe, wer daran rührt, gewinnt Kraft", rief der Hausgeist in die aufmerksam lauschende Runde. "Und nun, liebe Wasserfrau, bitte komm", er zog die schüchtern abseits Wartende neben sich, "komm, denn aller Zauberdinge sind drei und nur mit Deiner Gabe wird die Zahl vollkommen." 

- Sie straffte sich, atmete tief und streckte ihren Zauberspiegel hoch. Tiefblaues Licht floss bis in den letzten Winkel der Lichtung. Und zum ersten Mal seit jenem Unglückstag, der ihr den Wassermann geraubt hatte, begann die Quellfrau zu singen, zaghaft erst, dann immer sicherer, zuletzt voll und rund wie einst im Meer, nur noch tiefer und süßer: Sie sang von der Liebe, vom Tod, vom Leid, von Wut und Ohnmacht, vom Fliehen und Suchen, vom Verlieren und Finden des Vertrauens, vom Friedenschließen, vom neu  Beginnen und Hoffen. Als sie ihr Lied beendet hatte, fügte sie leise an: "Dank euch allen im „Källdalen“ wie es in der Sprache heir auch gennat wird, dem Quellental, dass ich hier neue Heimat gefunden habe. So konnte ich wieder zaubern lernen.

- Der Wunderspiegel, den ihr hier leuchten seht, schenkt Erkenntnis und beschützt. Ob seine gute Macht wirkt, liegt allein in der in der Hand dessen, der hineinschaut. Keinem Menschen, der beim Blick in den Spiegel darin die Zweige der Eiche an der Quelle, die ziehenden Wolken und das reine Blau von Himmel und Quell sieht, wird Böses geschehen. Sind Herz und Gedanken lauter, schenkt der Blick in den Spiegel immer tieferes Einfühlungsvermögen, Selbsterkenntnis und ungetrübten Weitblick.

- Wer aber in selbstverliebtem Stolz und Hochmut sein eigenes Bild darin sucht, dem wird der Spiegel in tausend Scherben zerspringen und alles Unglück aus Herz und Gedanken des Betrachters wird auf diesen selbst zurückfallen." Erschöpft ließ die Wasserfrau den Spiegel sinken und legte ihn langsam zu den beiden Zauberkugeln in die Hände des Hausgeistes. "Hoffentlich ist mein neu gewachsenes Vertrauen zu den Menschen gerechtfertigt." Mit diesen Worten huschte sie davon und verschwand zwischen den Bäumen.

- Der Hausgeist rief mit fester Stimme in die Stille: "Freunde, unser Vertrauen wird siegen, unsere Gaben werden helfen. Wissen um die eigenen Talente, Kraft und Selbsterkenntnis sind drei mächtige Zaubergaben gegen die Verführbarkeit der Menschen!" Auf einen Wink flogen die Raben herbei, wickelten die Kristallkugel der Gaben, die Bernsteinkugel der Kraft und den Zauberspiegel der Erkenntnis in Seidenpapier, verschnürten das Päckchen sorgfältig und machten sich rasch auf den Weg.

(Und hier endet beinahe die Geschichte, aber nur beinahe, denn...)

- Bald hatten sie das Meer erreicht, kreisten über der "Astral" und es wurden einen Augenblick rabenschwarz um mich am hellichten Tag. Plumps-  fiel mir ein Päckchen vor die Füße. Eine schwarze Feder steckte in der Schnur. Seltsames grünliches Leuchten ging davon aus und irrlichterte die Buchstaben: "Wirf's ins Wasser heut Nacht und jeder, der es glitzern sieht in der Mondstraße und die Geschichte glaubt, der wirkt Glück, dem winkt Glück!"

- Na, das Glück soll man aufheben, wo man es findet, so warf ich das Päckchen also über Bord. War's nur Traum oder hatte mich die kräftige Frühlingssonne zu sehr an „Svenserum“ denken lassen. Sei's drum... Wer das Päckchen schwimmen sieht, kann's selbst erproben...

- Ja, Talent, Lebenskraft und Selbsterkenntnis - Zaubermächte. Ja, den Quellen zuhören ist dem Leben zuzuhören.

-Und hier endet vielleicht die Geschichte, es sein denn, jemand findet das Päckchen am Strand, öffenet es und die Kraft die darin eingepackt wurde wird frei und tut ihr Werk.

-Wer weiss, vielleicht bist Du es ja!


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hej,

lese gerne Deine Beiträge, folge Deinen Gedanken oft mit Zustimmung und wünsche Dir noch viel weitere ergiebige Muße in deinem Rhythmus auf Svenserum.
Ich glaube Du weisst, dass Du mit diesem besonderen Leben auf Svenserum etwas hast, dass Dich mit Dir selbst mehr verbindet, als es das Leben inmitten einer Gesellschaft zulassen würde. Und wenn Du diesen Blog schreibst und Dich anderen Menschen mitteilst, so sei Dir sicher, das viele die Dich lesen, Dich verstehen und für die Deine Gedanken wertvoll sind, auch wenn sie es nur lesen und Dir keine Kommentare schreiben.
Lieben Gruss Stefan

Kap Horn hat gesagt…

Hej Stefan!

Vielen Dank fuer Deine aufmunternden Worte und Deine guten Wuensche!
Sie inspirieren mich, weiter zu schreiben.

Kap Horn

Anonym hat gesagt…

Hallo Kap Horn,

wir kennen uns schon aus dem ZzL Forum. Ich habe nun all Deine Beiträge ausgedruckt und gelesen. Ich werde es als Sammelbuch immer weiter ergänzen und hoffe das Du noch viele tolle Gedanken und Inspiration hier veröffentlichen wirst.

Bei meinen künftigen Spaziergängen an der See werde ich noch mehr die Augen nach Strandgut aufhalten.
Und werde das Päckchen Deines Hausgeistes mit bedacht und Achtung öffnen! ;o)

Denn die Hoffnung stirb bekanntlich zuletzt.

1000-Dank für Dein teilhaben lassen.

Gruß an Bord oder nach Sevenserum
Twister