4. Februar 2011

Ein gewisser Unterschied

Leinen los vorne und achtern“ und wir sind schon wieder unterwegs, nur um ein paar Stunden später in einem neuen Hafen anzulegen, den nächsten Teil der Ladung an Bord zu nehmen.
Innerhalb von zwei Tagen drei Häfen um 12000 Kubikmeter gemischte Last zu laden. Benzin, Diesel, Rapsöl.

- Dazu heißt des den Papiertiger gebändigt zu halten und das ist schon eine Zirkusnummer für sich.
Vergangene Nacht war nicht viel mit Schlaf, denn ein halber Sturm aus Südwest ließ das Fahrzeug rollen und rollen und rollen. Die kommende Nacht ist nicht viel mit Schlaf, denn da heißt es Lotse an Bord nehmen und eine Stunde später anzulegen.
Und dann heißt es  noch einmal mit der Peitsche zu knallen und dem Tiger seinen Platz anweisen bevor der 18 Stunden Tag sein Ende hat und zur Abwechslung mal sieben Stunden Schlaf an einem Stück möglich sind.

- Wie anders das Dasein auf „Svenserum“, keine Muss und Soll, sondern nur ein freiwilliges Wollen. Kein Papiertiger, kein Bildschirm wenn ich nicht will, das Telefon ausgeschaltet es sein denn ich hantiere die Motorsäge oder schaufele Schnee von den Dächern.
Keine anderen Geräusche als natürliche, kein Motor, keine Klimaanlage die ständig saust und eine Koje die auch bei Windstärke 12 noch immer ruhig steht, kein Tag der 18 Stunden lang aus Arbeit besteht.

- Während an Bord das Tempo hochgeschraubt ist und oft menschenfeindlich, so ist das Tempo auf der Lichtung menschenfreundlich, es lässt mir Zeit die Welt um mich zu betrachten und stellt keine Forderungen an flinke Finger um eine und noch eine Mail zu beantworten.

- Hier ist an Stelle meine Muskelkraft gefragt, beim Holzmachen und Wasserholen, Schneeschaufeln und Rasenmähen, Umgraben und Schreinern.
Und eines steht fest: der Schlaf ist besser und die Arbeit, da in meinem Tempo, eine menschlichere als sich einer Maschine zu unterwerfen und dessen Diener zu sein.

- Hier auf der Lichtung bin ich mein eigener Herr und ich bin mal gespannt wann ich der Maschine den Laufpass geben werde, denn menschlich sind die Arbeitsbedingungen auch heute noch nicht in der „christlichen“ Seefahrt.

- Eines habe ich mit den Wikingern und ihrer Art wie sie die „Drachenschiffe“ bemannten gemeinsam. Auch ich bin aus eigener Wahl und als ein freier Mann an Bord gegangen!


 - Und genau das macht den "gewissen" Unterschied aus.


(Mit diesem Beitrag schliesse ich um kurz vor Mitternacht einen Tag ab, der um halb vier angefangen hat)

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Kommentare:

Regenfrau hat gesagt…

Und mit der Lichtung und dem schicken Häuschen hast Du einen tollen Ausgleich! Darauf kommts ja auch an :-)
Weiterhin eine gute Zeit!!!!! Liebe Grüße vom bayrischen Festland ;)

Kap Horn hat gesagt…

Hej Regenfrau

Ja, ein Ausgleich ist es fuer die Arbeitswochen an Bord die oft ueber 80 Stunden lang sind.

Gruesse zurueck nach Bayern!