14. April 2011

Doppelt so teuer - und doch das Selbe

Mit zunehmendem Alter und vielleicht auch Lebenserfahrung so werden zwar die Winter härter, aber auch die Freiheit grösser. Mir ist es somit mittlerweile ziemlich egal was Menschen von mir denken was meine Lebensweise betrifft (ich habe mich allerdings noch nie großartig darum gekümmert). Ich tue niemandem weh damit und das ist das Wichtigste.

- Jeder nach seiner Fasson denke ich mal...und da stelle ich immer wieder fest wie wichtig doch der „Status“ für so viele Menschen ist. Und genau aus diesem Grund so fallen sie in die Falle, geschickt geriggt von der ausgeklügelten Werbung und meinen: wenn ich nur dies und jenes und auch das noch besitze und zeigen kann, so gehöre ich dazu! So bin ich wer.

- Wie hörte ich im Radio einmal: „Wenn Du mit einer „Prawda“ Handtasche durch Stockholm läufst, so zeigst Du damit...Du bist jemand mit dem man rechnen muss“. Ich dachte ich höre nicht recht!
Es war eine gestanden Frau, wenn auch aus der Modebranche, die so einen hirnverbrannten Unsinn vollen Ernstes von sich gab.
Dass Menschen aber auch so gar kein Schamgefühl haben. Sowohl sie, als auch die welche so ein Handtäschchen braucht um „jemand zu sein“ sollten sich eigentlich schämen solche Gedanken mit schwachem Sinn dahinter laut auszusprechen oder zu zeigen. Das gleiche gilt natürlich auch für Männer. Wer mit einem „Muskelauto“ vorfährt, der ist ja jemand.

- In meinen Augen „ist“ keiner von ihnen jemand dadurch, sondern „hat“ nur etwas (meist ist es eh die Bank die es besitzt). Jemand „sein“, das ist etwas ganz was anderes und da spielt in meinen Augen Geld die kleinste Rolle.
Aber welche Chance haben sie? Denn es ist tatsächlich so (wie Du sagst, Tika): schon von klein auf wird es eingelernt und –getrichtert.

- "Haben statt Sein" ist das Motto unserer Zeit!

- Und wer da nicht mitspielt, stellt ja das „Haben“ von dem so viele meinen es wäre das „Sein“ vollständig auf den Kopf und das stößt auf Widerstand. Aber weißt Du was Tika. Auch das ist mir mittlerweile völlig egal. Von mir aus können die Leute auch Schulden machen für ihr „Haben“ bis sie in persönlichen Konkurs gehen. Das ist jedem selbst überlassen und damit fertig für mich.

- Genau so unwichtig ist es ob man mich belächelt oder ernst nimmt. Ich hab nur mein Leben, von dem ich ausgehe es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes eine „einmalig Angelegenheit“ und das will ich  leben nach meiner Art.
Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung.

- Erst kommt der Konsumrausch, dann kommt die Abhängigkeit und damit der Konsumzwang um den Rausch auf ein Neues zu erleben...und wie es mit allen Suchtmitteln ist: die Dosis muss ständig erhöht werden! Freiheit adjö!

- Und was die freie Zeit betrifft, so kostet sie mich tatsächlich nicht mehr als 1,25 €. Du liest richtig, für einen Euro und fünf und zwanzig Cents kann ich mir eine Stunde freie Zeit kaufen!

-Wie das? 
Um es einfach zu machen, so komme ich mit 900 Euro den Monat mehr als bestens über die Runde. Mit Haus und Hof und Auto und allem anderen (da kann ich sogar noch Geld sparen!) Aber der Betrag teilt sich gut mit 30 Tagen und die 30 Euro am Tag mit vierundzwanzig Stunden ergeben 1,25 €. Arbeiten willst Du für so einen Stundenlohn bestimmt nicht. 

- Wie viel ist Dir denn eine freie Stunde wert? Du sagst das Doppelte?


- Nun, dann gibst Du auch 1800 Euronen im Monat aus! Hast Du ein noch besseres Einkommen und noch höhere Ausgaben im Monat, dann wird Deine freie Stunde irgendwann so teuer, und Du kannst sie Dir nicht einmal mehr leisten! 
So einfach ist der Zusammenhang...


***

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Salut Käpt'n

und vielen Dank für die Ehre!

Die mit den schwedischen Wurzeln bin ich jedoch nicht. Da verwechselst mich offenbar mit einer anderen Leserin. Wir sind deutsche Staatsbürger, seit Jahren im französischen Exil ;-)

Wieso werden die Winter mit zunehmendem Alter (die 5. Null liebäugelt bereits mit uns) härter? Wir sind gegenteiliger Meinung! In der warmen Zeit wird für Holzvorrat gesorgt und dann entspannt die kalte Zeit genossen.


Machen uns nicht gerade die fehlenden Statussymbole zu Außenseitern? Sei es nun eine Handtasche, Auto oder was auch immer?
Recht hast Du allerdings damit, dass Menschen, die den passenden Namen auf ihren Dingen benötigen, bedauernswert und weit entfernt von ihrem ICH sind.
Nein, mit so jemand möchte ich um nichts auf der Welt tauschen. Ich bin ich! ;-)

Haben statt Sein? Ist lange Vergangenheit für uns. Wir bevorzugen das Leben statt Haben! Was oder wieviel braucht man um glücklich zu sein?

Mal davon abgesehen wird ein wichtiger Punkt gerne vergessen! Alle Dinge, die wir besitzen, besitzen auch uns... und wir verbrauchen viel Zeit um sie und ihren Lagerplatz zu bezahlen und zu pflegen.

Weniger ist auf jeden Fall mehr
(Lebenszeit)!

Doch haben wir, genau wie Du, darüber leicht reden. Wir machen das freiwillig, müssen nicht wirklich rechnen. Damit haben wir eine ganz andere Basis als jemand, der aus Geldmangel muss!
Das Muss gibt dem Menschen negative Gefühle wie Armut, Existenzangst etc....

Nach Deiner Rechnung "kostet" meine Std 1,29€. Die meines Mannes ebenfalls.
Aber: Wir rechnen anders ;-)
Unsere Freistunden sind uns so wertvoll, dass kein Arbeitgeber diesen Preis zahlen würde.
Da ich nicht berufstätig bin, habe ich genügend Zeit die anfallenden Arbeiten im privaten Bereich zu erledigen. Dies passiert während der (verkürzten) Arbeitszeit meines Mannes. Kommt er nach Hause, so ist in der Regel Feierabend für uns beide! Nur wenn ich an die Grenzen meiner Muskelkraft / handwerkl. Kenntnisse komme, muss er mit anpacken ;-)
Also nix Hausarbeit usw. teilen, wie oft üblich oder Frau rennt nach Feierabend mit Feudel durch die Wohnung während Mann auf der Couch lümmelt..... und für Gemeinsamkeit bleibt keine Zeit.

Egal um welches Lebensthema es geht, passen muss es für die jeweilige Person! Entscheiden muss jeder für sich selbst...

Schade jedoch, dass so viele Menschen nicht nachdenken, sondern einfach gedankenlos der Herde nachrennen. Dafür tut die Industrie mit Hilfe der Medien alles. Der brave Konsument der heutigen Ex-und-Hopp-Gesellschaft ramscht, was ihm die Werbung suggeriert unbedingt brauchen zu müssen.... und investiert seine wertvolle Lebenszeit dafür. Das (über)füllt nicht nur die Kassen der Konzerne und den heimischen Schrank, sondern erhöht die Müllberge und verschwendet Rohstoffe.


Wohin wird unsere globale Gesellschaft die Geschicke der Erde steuern? Man denke nur z.B. an die Doppelmoral zum Thema Atomkraft... erst Laufzeitverlängerung, jetzt schneller Ausstieg, vorerst AKW's abgeschaltet für 3 Monate und zum Ausgleich Import von Atomstrom aus F und CZ.
Abkehr vom Atomstrom in der EU? Haha... nicht nur bei uns in F gingen die Lichter aus...

*Ironie-on*Gott sei Dank gibt es, dank Forschung, die grüne Energie. Paßt schon, wenn wir immer mehr Lebensmittel verbrennen, während in anderen Ländern Menschen verhungern. Löst so ganz nebenbei das Problem der Überbevölkerung *Ironie-off*

Traurig für unsere Kinder und deren Nachkommen! Welches Leben wird sie erwarten? Wird es noch eine Natur geben, die diese Bezeichnung wirklich verdient? Oder werden sie sich Wälder und Tiere in alten Filmen anschauen müssen, weil diese schon lange gerodet/ausgestorben sind?


A bientôt

Tika

krümel hat gesagt…

Hej Tika und KapHorn,
vielen Dank für eure eindrucksvollen Worte. Es ist sehr viel Wahres drin.
Und Tika, du hast recht, wir machen das freiwillig! Das ist ein Riesenunterschied! Ich merke das immer wieder in Gesprächen mit Verwandten und Bekannten. Das wäre eigentlich eine gesell. Aufgabe, das würde jedoch den Rahmen sprengen, das hier weiter auszuführen.
Wir arbeiten zunächst für die Ausbildung unserer Kinder und danach verkürzt, aber mit dem Ziel auf jeden Fall nicht bis 65 J. zu arbeiten, sondern irgendwo bescheiden leben zu können.
Unsere Kinder haben wir auch so erzogen, dass der Besitz nicht entscheidend ist. Wir nutzen, so weit wie möglich, unseren alten Beulenpanzer gemeinsam mit den bereits erw. Kindern und ich schäme mich nicht für unser Auto. Weiß ich doch, dass es noch gut fährt und das Geld in das Studium der Kinder besser investiert ist.
Konsum -ja auch ich habe was gegen diese Massenware, kaufe lieber langlebige Dinge, Gegenstände, die man noch reparieren kann. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, jedoch nachhaltiger!
Ich kaufe jedoch gerne bei lokalen Anbietern, sei es LM, als auch mal Kleidung, Dinge für den Haushalt, von Menschen, dir tolle kreative Ideen haben. Denn da wäre m.E. nach der Konsumverzicht fatal. Wenn diejenigen, die tolle Ideen haben, handwerklich geschickt sind, bzw. umweltschonend in der Nähe Lebensmittel anbauen und herstellen, ihre Produkte nicht verkaufen können, bleibt ja nur der Massengeschmack übrig! Daher halte ich so: Leben und leben lassen. Ich konsumiere-sicher tue ich das-jedoch bewusst- in der Hinsicht, dass ich mir überlege, ob ich das wirklich brauche und bei wem ich es kaufe!
Dir Kap Horn wünsche ich, dass bald der Frühling Einzug hält!
Grüße Krümel