31. Oktober 2011

Arbeit ist das halbe Leben...

Aber nicht nur die, sondern Ordnung ist auch das halbe Leben. So sagt der Volksmund es zumindest.

Wenn ich also arbeite um Ordnung zu halten würde das ja heißen es bleibt keine Zeit mehr für irgendetwas anderes...?

Denn es ist Arbeit diese Ecke hinter dem Stall, verborgen vom Hof aus, und die mir schon bevor ich Verwalter hier wurde nicht gefiel, in Ordnung zu bekommen. Und genau das ist, wie ich schon öfter schrieb, für mein Wohlbefinden einfach wichtig.
Das Dach war viel zu hoch, diese drei Plastikbehälter welche der vorige Besitzer hier angeschleppt hatte verschandelten die Gegend. Gebraucht habe ich sie nie.

- Der vorletzte Winter war dann mein Mithelfer und hat das Dach einfach zum Einstürzen gebracht, das Holz unter Blech und Schnee begraben und damit schon mal die halbe Arbeit getan.
Nun liegt nur noch ein Rest Holz unter dem Blech und nächste Jahr im Sommer wird es in den Stall geräumt wo jetzt der Vorrat für den kommenden Winter schon sitzt.
Das Blech wird aufeinandergestapelt, denn hin und wieder ist es gut um auf einen neuen Holzstapel als Schutz zu legen.
Die Plastikbehälter und die Badewanne sind wie ich geschrieben habe entsorgt, das Dreirad, verborgen unter der Plane, wurde letztes Jahr verkauft. Es war ein Südländer und hat nicht für dieses nördliche Klima getaugt.
Das kleine, verbogene Blechdach wird spätestens nächsten Sommer verschwinden und damit ist auch diese Ecke recht ordentlich geworden.

- Langsam aber sicher wird es, selbst wenn es ein fünf, ja bald sechs Jahre gedauert hat. Denn außer den zwei halben Leben, so habe ich ja noch eine dritte Hälfte die dem „Nichtstun“ gewidmet ist.

- Es liegen heute fast auf den Tag genau drei Jahre zwischen diesen beiden Bildern. Ich sehe wie die Tanne in dieser Zeit gewachsen ist, ich sehe aber auch, dass die Lichtung lichter wird!


- Na bitte, langsam aber sicher, ganz ohne Stress so ändert sich das Bild. Was ich sehe gefällt mir immer besser und in den fünfeinhalb Jahren Werkeln hier oben, so lerne ich auch: Ausdauer und Geduld bei einem Tun führen, auch ohne Eile aber dafür stetig, weiter.
Wohin?


- Keine Ahnung, außer dass auf meinem Weg auch der letzte von mir gefällte Baum auf dieser Lichtung jetzt schon wächst...

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30. Oktober 2011

Frostglasiert

Sie ist immer wieder faszinierend.

- Verknüpft ist sie mit der Liebe, berühmter Menschen Namen trägt sie und nicht nur ihre Stachligkeit forderte schon im alten Persien die Züchter heraus.
Sie ist besungen und tausendfach gemalt, und obwohl Symbol für die Liebe so hat man auch Kriege unter ihrem Namen ausgefochten und Frieden geschlossen.
Religionen benutzen sie um sie den Göttern zu weihen, die Heiler und Zauberer, Poeten werden es nicht müde sie zu umschreiben.
Es gibt einen Montag im Jahr der ihr gehört, Kaiser, Königinnen und Könige machten sie sich zu Eigen.
Als Schönheitsmittel und Parfum kommt sie zur Anwendung, und Musik wurde ihr zu Ehren komponiert.
Gezüchtet wird sie seit ungefähr zweitausend Jahren, und seit der Antike als „Königin der Blumen“ benannt aber es gibt Belege dass sie schon im Garten Ramses II der im Jahre 1224 v. Chr. blühten.

- Und hier ist der Beweis dass sie im Spätherbst des Jahres 2011 unserer Zeitrechnung auch auf „Svenserum“ blüht, selbst unter einer tauenden Frostglasur.


Gertrude Stein
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29. Oktober 2011

Geistreich

Immer wieder geschieht es und ich „sehe“, dass diese Lichtung im Wald ein besonderer Platz ist denn, so denke ich, hätten Menschen sonst nicht gewählt gerade hier ein Haus zu bauen.

- Obwohl ich naturwissenschaftlich orientiert bin und ungläubiger als Thomas, so denke ich dennoch: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde die zu einer anderen Welt gehören als die, welche ich sehen und anfassen oder im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann.“

- Das es wohl schon jede/r mehr oder weniger erfahren hat wer schon alleine Nachts im Wald unterwegs war bin ich mir recht sicher.
Auch wenn nicht alle „Geister“ schlecht sind so ist meine Erfahrung: sie meiden das helle Sonnenlicht, Städte mögen sie nicht. Sie ziehen eher den Schutz des Zwielichts, der Nacht, den welcher der Wind und Regen schenkt, den des Nebels und des Waldes vor.
Was die Jahreszeiten betrifft, so scheinen sie besonders den Frühling und den Herbst zu mögen.
Das sind die Zeiten wo sie anzutreffen sind, wo sie ihr Wesen oder auch Unwesen treiben.

- Ich hatte schon Erlebnisse auf dieser Lichtung die nicht gerade alltäglich waren, und es spielt im Grunde keinerlei Rolle ob sie meiner Phantasie entsprungen sind oder nicht. Und ich will auch nicht versuchen alles zu erklären, denn manchmal macht Wissen auch unsere Welt schlicht und einfach ärmer.

- Das Erlebnis damals, während der Geisterstunde, ändert sich dadurch nicht im Geringsten.
Wer aufmerksam und offen ist kann noch heute eine Ahnung oder gar mehr von dieser Anderswelt bekommen wenn die Voraussetzungen günstig sind.


- Hier löst sich wohl gerade die Tanzfläche auf wo vielleicht eben in der Morgendämmerung noch die Elfen ihren Reigen hielten bevor die Sonne durchbricht auf diesem „geistreichen“ Platz.

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Die Zeit im Griff

Wenn meine Information stimmt, dann wurde „Svenserum“ im Jahre 1872 von Peter Lundgren und seiner ersten Frau Anna Lisa bewohnt und bewirtschaftet.

- Seit dem sind fast 140 Jahre vergangen aber noch immer sind ein paar Dinge so wie sie zu ihrer Zeit schon waren.
Der Kamin in der Stube ist der wohl handfesteste Teil davon, der Fussboden ein anderer, die breiten Dielen sind nur renoviert worden aber ansonsten original. Der Stall, auch wenn ein wenig zusammengesunken, mit seinen beiden Türen ist ein anderes Vermächtnis.
Und noch ein paar Bretter sind wohl schon zu Jahren gekommen...ja der Sitz im „Donnerbalken“ scheint auch alter Machart zu sein.

- Meist denke ich wenig darüber nach, aber wo ich oft denke: "Dies hier haben schon Menschen die vor mir hier oben lebten oft in der Hand gehabt" ist das alte Detail an der kleinen Scheunentür.
Damit öffne ich nicht nur eine Türe in den alten Stall, sondern auch eine in die Vergangenheit und Geschichte von diesem kleinen „Torp“.

- Dass die Zeit in ihrem eigenen Takt vergeht und ein Eigenleben hat hier im Wald, darüber habe ich schon öfter geschrieben.


- Hier habe ich zur Abwechslung einmal den Gang der Zeit im Griff.

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27. Oktober 2011

Je einfacher, desto besser

Gehört hat diesen Satz wohl schon jede/r und ist also nichts Neues.

- Wir leben ohne Zweifel in einer komplexen und komplizierten Welt. So wachsen beispielweise die Anforderungen elektronisch-technische Geräte zu beherrschen fast täglich und damit auch der Stress den dieses ununterbrochene on-line mit sich führt.

- Aber eine „altbekannte Wahrheit“ wenn nicht auch wissenschaftlich untermauert erscheint leicht unglaubwürdig
So hat sich gezeigt, dass wir einfache Texte eher zu uns nehmen statt solche die vor Fremdworten strotzen um Intelligenz zeigen zu wollen. Das Gegenteil erreichen sie beim Leser.
Das gleiche gilt für technische Systeme die nicht nur durch einfache Handhabung bestechen können, sondern auch bedeutend weniger Unterhalt und damit Energie fordern.

- Und das gilt nicht nur für Maschinen, sondern auch für die Gesellschaft. Je höher der Grad an Komplexität, desto mehr Energie braucht sie um zu funktionieren. Wir leben in einer komplexen Gesellschaft deren Energiebedarf ständig steigt.
Und wie für jeden komplexen Mechanismus, so steigt die Störanfälligkeit in zunehmendem Maße.

- Gleichzeitig so schafft sie auch Wahlmöglichkeiten, bedeutet Reichtum wovon Bequemlichkeit nur ein Zeichen ist.
Dabei sieht es ganz so aus, als hätten wir noch nie so viel gearbeitet um es bequem zu haben.

- Mittlerweile habe ich lange genug Erfahrung gesammelt und kann vergleichen wie es ist auch unter einfachen Umständen zu wohnen und verstehe Albert Einsteins Worte immer besser: „Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.“

- Selbst denke ich: auch „simple living“ ist eine Kunst und setzt damit Klarheit voraus!
Und je einfacher, klarer man ein komplexes System gestalten und erklären kann, desto besser beherrscht man diese Kunst.
Allerdings, wie mit jeder Kunst, so scheint auch diese nicht so einfach zu erlernen. 


- Es sei denn man macht es spielend, denn auch hier gilt: je einfacher man sie lernen kann, desto besser kann man sie beherrschen und ausüben.

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Lichtblick

Seit beinahe achtundzwanzig Jahren wohne ich jetzt im Norden und noch immer fasziniert mich das Licht das so anders ist als in meiner alten Heimat.

- Es gibt Tage, vor allem im Herbst, wenn die nördlichen Winde den Winter vorbereiten und gleichzeitig ein Hochdruck für wolkenfreien Himmel sorgt.
Dann strömt saubere und sauerstoffreiche Luft vom Norden statt der mittlerweile verdorbenen Luft aus dem Süden (ja, der Unterschied ist wirklich spürbar!).

-Die Luft wird kristallen, die Farben im Herbstwald leuchten intensiv wie von eine inneren Glut und die Zeit während des Sonnenauf und –untergangs schaffen Übergänge von hellstem Hellblau über dunkelstes Dunkelbau bis hin zum tiefsten Schwarz am Himmel wie sie kein Maler auf die Leinwand bringen kann.
Da kann der Himmel glühen wie Lava und eine Illusion von Sommerwärme schaffen obwohl es weit unter Null sein kann.


- Da entstehen Pastellfarben die so zart sind, man hebt erstaunt den Kopf zum Himmel und sie locken einfach nach draußen statt im Haus schon das Licht anzumachen.


- Und diesen Herbst hatte ich das Glück recht viele solche Tage voller Lichtblicke zu erleben. 

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26. Oktober 2011

NN oder Normalnull

Der Höhenunterschied zwischen Svenserum und meinem Arbeitsplatz beträgt mal gerade ungefähr sechzig Meter.

- Obwohl es in Metern gerechnet wirklich nicht viel ist, so könnte der Unterschied zwischen diesen beiden Plätzen an denen ich immer wieder mal lebe dennoch nicht grösser sein.

- 68 Meter über NN

- Da steht das Häuschen geschützt im Wald, Winde können ihm nichts anhaben, die Koje steht auch dann ruhig und der Erdboden behält seine Lage selbst wenn es in den Bäumen rauscht, die Welt ist, selbst im Winter oder bei Regen, grün.
Es ist ein stetiger und ruhiger Platz, die Geräuschkulisse leise es sei denn die Motorsäge oder der Rasenmäher läuft.
Hier kann ich selbst bei schlechtem Wetter in der Natur unterwegs sein und sie hautnah erleben.

- Und dann die Welt an Bord wo es nie völlig ruhig ist, von leise keine Spur. Irgendeine Maschine läuft immer und meist ist auch Bewegung zu spüren, selbst am Kai merke ich dass ich einen Kiel unter den Füßen habe.
Und wenn es stürmisch wird, so wir hier bei halbem Sturm auf dem Skagerak, dann ist oft an richtigen Schlaf nicht zu denken, das bloße Dasein an Bord wird zur Anstrengung. Von Grün kaum eine Spur, es sein denn eine Welle bricht grün über das Vorschiff herein.
Stattdessen ist die Welt oft in grautöne getaucht.

video
- 12 Meter über NN

- Mein Quartier schaukelt und bockt wie ein Pferd und statt Waldesrauschen so schneidet der Wind pfeifend durch den Mast und die Antennen auf der Brücke.
Hier hält man sich bei stürmischer See besser drinnen, denn draußen an Deck ist der Tod sehr nahe und spürbar.

video
- 4 Meter über NN

- Schiff ahoi!

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24. Oktober 2011

Schufterei

Wie sagte der Bauer: Waldarbeit ist die schwerste Arbeit die er kennt.

- Obwohl ich ja in meinem eigenen Takt und ohne Zeitstress oder Resultatzwang die Holzarbeit angehen lasse, so bin ich bereit Torgny zuzustimmen.

- So wie die vergangenen fünf Jahre, so hat auch dieses Jahr die Holzsaison angefangen. Vielleicht ein wenig früh, aber das hängt mit meiner Arbeit zusammen denn das nächste Mal wenn ich an Land bin ist es Mitte oder gar Ende November, Schnee kann schon liegen.
In all den Jahren habe ich ungefähr 20 stattlichen Bäumen das Leben genommen, bis auf ein paar Ausnahmen alles Fichten und jede Menge geschwitzt dabei.
Ich bin allerdings nicht nur wegen dem Brennholz so tätig, sondern mindestens genau so viel um mir Licht und Luft zu schaffen, denn ohne die Arbeit würde die Lichtung immer dunkler werden.

- Im Grunde könnte „Svenserum“ richtig zu bewohnen und zu bewirtschaften eine Vollzeitarbeit ausmachen, zu tun gibt es genug und Möglichkeiten für Hühner und Ziegen oder Schafe sind gegeben.
Doch das wird immer ein Traum bleiben...denn so gebunden möchte ich, zumindest jetzt noch nicht, sein.
Außerdem sind Träume so viel einfacher als es dann im wirklichen Leben wird denn ich sehe wie die nächsten zwanzig Tannen schon gefällt sind. Im Traum fließt kein Tropfen Schweiß, in Wirklichkeit ist es Knochenarbeit.

–Erst wenn ich zwanzig Fichten weiter bin so denke ich, dass es langsam so wird wie ich es haben will und die Sonne besseren Zugang findet.
Es ist nicht schön wenn das Haus im Schatten liegt während die Sonne scheint. Dunkel ist auch so lange genug hier oben im Norden.

- Der Traum liegt allerdings im Bereich des Möglichen für den ich auch gerne weiterhin schwitze um im näher zu kommen und vielleicht zu verwirklichen.
Selbst wenn es eine elendige Schufterei bedeutet.


- Und mal ehrlich, wo wären wir Menschen denn ohne unsere Träume?

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23. Oktober 2011

Der letzte Sommerregen

Es ist Ende August und ich erlebe den letzten Sommerregen auf „Svenserum“.

- Der Tag fing mit einem Frühstück in der Sonne an und um die Illusion von Sommer zu verstärken spannte ich den Sonnenschirm auf.
Aber leider, die Illusion hielt nur bis zum späten Nachmittag und der Himmel fing vom Süden her an sich zu bewölken.
Mit knapper Not bekam ich noch die zehn Fuhren Holz mit dem Handkarren in den Stall denn das hatte ich mir unter anderem vorgenommen. Auch wenn ich schon nass wurde bei den letzten beiden so schaffte ich es gerade noch bevor der Himmel sich öffnete.


- Schnell das nasse T-Shirt getauscht, einen Kaffe aufgegossen und damit hab ich mich auf die Schwelle der Stalltür verzogen und dem Regen zugeschaut.

- Ja, der Sommer war gut für die Natur, die Nadelbäume sind zwischen 30 bis 40 cm gewachsen, die Ernte war reichlich, auch die wärmeliebenden Bohnen sind gut gediehen, und das Gras auf der Lichtung war den ganzen Sommer über saftig und grün.
Selbst jetzt, Ende August wächst es noch immer und nach all den Wochen zur See genieße ich das Grün umso mehr.

- Aus dem einen Kaffe wurde ein zweiter und wie so oft hier oben verstrich die Zeit,  wurde zeitlos während ich dem Regen zuschaute und seinem Trommeln auf dem Blechdach lauschte.


- Und dann ließ der letzte Sommerregen nach, die Wolken verzogen sich und die untergehende Sonne bekam noch einmal die Chance dem Tag eine letzte Illusion von Sommer zu schenken bevor sie in der Schneise kurz vor halb neun im West-Nord-Westen versank, meinen Sitzplatz auf der Schwelle in der reingewaschenen Luft mit goldenem Licht überflutend.


- Manchmal ist es beinah „unnötig“ schön auf dieser Lichtung im Wald.

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22. Oktober 2011

Geschlaucht

Ja, ein Haus in Gange zu halten, egal wie klein, bedeutet immer wieder Hand an zu legen. Allerdings, geschlaucht bin ich deshalb noch lange nicht...dafür aber der Brunnen.

- Schon vor dem Desaster mit der kaputten Pumpe machte ich mir Gedanken über die Wasserqualität, denn trotz regelmäßigem abpumpen so wurde sie nicht besser.
Im Gegenteil, da waren auf einmal auch noch tote Ameisen drin und es war im Grunde außer zum Gießen für nichts anderes mehr benutzbar.
Der Holzdeckel war dann doch nicht so geeignet stellte ich fest als ich ihn rumdrehte um einen Blick in den Brunnen werfen zu können.

- Und dann kam mir die Idee: Mensch Kap Horn, als ehemaliger Aquariengeschäftsbetreiber so hast Du doch die Becken mit Hilfe von einem Schlauch und Gefälle auch geleert...!
Jawohl, das muss gehen, Gefälle ist ja auch hier da. 

- Also, vor ein paar Wochen 100 Meter Gartenschlauch gekauft und am Weg entlang ausgelegt, mit einem Trichter und Gießkanne 10 Liter Wasser eingefüllt und dann, nach ein paar kleineren Justierungen, lief die ganze Sache im wahrsten Sinne des Wortes von alleine. 





               










- Zwei Stunden dauerte es bis der Brunnen leer war und sich über Nacht wieder füllte.
Nach dem ich die ganze Prozedur mit ein paar Tagen Abstand drei Mal wiederholte so hat der Brunnen zum ersten Mal seit all den Jahren hier oben reines Wasser, ja es ist so glasklar es schimmert sogar ein wenig bläulich.
Die erste Trinkprobe liegt hinter mir ohne irgendwelche Begleiterscheinungen denn die Hauptader die durch eine Spalte im Granit dringt kommt vom Berg wo es keine Felder sondern nur Wald gibt.

- Der vorvorige Besitzer hatte sogar einen Schlauch (den man hier sieht) vom Brunnen ins Haus gegraben um fließendes Wasser zu haben. Aber auch wenn er noch liegt und unter dem Waschbecken mündet, so ist die Pumpe weg und ich denke ich werde es auch so belassen.


- Also bin ich angespornt und werde nächstes Jahr einen richtigen Betondeckel gießen, den „Überwasserteil“ der Pumpe neu kaufen (jedes Teil gibt es als Reserveteil), und von da ab werde ich endlich sauberes Wasser haben denn jetzt ist es kein Problem mehr Umsatz im Brunnen zu schaffen.
Vorher heißt es nur noch ungefähr 10 cm Schlamm vom Boden entfernen, vielleicht mal ein wenig frischen Sand einbringen und die Betonwände abzubürsten.

- Wenn ich nach Wochen wieder an Land bin, so gilt es nur: einmal den Brunnen „geschlaucht“ um zu leeren und ich habe frisches Wasser.


- Wieder einmal eine einfache Lösung statt dieser Benzinpumpe vom letzten Besitzer die sowieso nichts als Schwierigkeiten machte und deshalb in all den Jahren nur zweimal zum Einsatz kam.
Jetzt ist auch sie mit dem ganzen anderen Metall in die ewigen Jagdgründe eingegangen.


- Wer weiß, vielleicht kommt sie ja „reinkarniert“ als Handpumpe wieder!

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21. Oktober 2011

Sommer adé.

Glück gehabt, denn ich erwische die letzten Spätsommertage Ende August.

- 22 Grad im Schatten und ein Sommerhimmel wölbt sich über die die Lichtung, ein Abschiedsgruss von den warmen, hellen Tagen die jetzt nur noch Erinnerung sind.


- Noch ein Mal das Gras mähen, die Kartoffeln ernten und mit dem Grasschnitt das Beet abdecken heißt es. Der Lauch bleibt noch ein paar Wochen stehen und auch die Ernte sieht, genau wie die Apfelernte, vielversprechend aus.






- Auch mein Weinstock gedeiht, dieses Jahr hat er schon drei Traubenstände gehabt, süß und saftig und mit weicher Schale.


- Bevor es zu spät ist so montiere ich auch das Sonnenpanel vom Dach an die Front des Hauses damit es im Winter schneefrei bleibt denn der Herbst ist im Anzug wie das Thermometer nur eine Woche später anzeigt.


- Da freue ich mich auf eine Sauna am Abend...aber statt einem Hitze- wird es ein Rauchbad.
Der Schornstein zieht nicht wie er soll, also heißt es am nächsten Tag wieder einmal Schornsteinfeger zu werden.
Das Tannenholz ist einfach nicht so gut für weder Stein- noch Blechschornstein und es ist ein guter Teil Arbeit bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.
Ob sie auch erfolgreich ist wird sich erst in einigen Wochen zeigen wenn ich wieder an Land bin.

- Aber nicht nur die Sauna ist verraucht.

- Als ich nach Tagen der Abwesenheit die Haustür öffne, so schlägt mir ein Geruch nach kaltem Rauch entgegen der intensiver in einer Räucherei nicht hätte sein können.
Und als ich im Küchenherd ein Feuer entfachen will wird es mir klar...der Ventilator im Obergeschoss zieht Luft aus dem Haus damit sie nicht stillsteht und hat die Zirkulation von oben nach unten im Schornstein in Gange gebracht denn mir schlägt direkt der Rauchgeruch entgegen als ich die Luke öffne.
Also habe ich kurzerhand den Ventilator gedreht. Jetzt pumpt er Luft ins Haus und siehe da, der Geruch ist fast völlig verschwunden, der Schornstein zieht nach oben ab!
Wie schön in ein Haus zu kommen, das nicht mehr nach Rauch riecht sondern nach frischer Luft.
So einfach ist das zu ändern.

- Ein Kubikmeter Holz der noch draußen lag ist auch unter Dach und Fach in der Scheune und mit Hilfe von Freunden so sind diese drei großen Plastikbehälter in ihren Stahlkörben und die emaillierte Badewanne entsorgt worden.


- Ich bekomme also langsam aber sicher immer mehr Ordnung auf dem kleinen Waldhof, etwas woran mir sehr gelegen ist bevor der erste Schnee fällt - der Nachtfrost hat nämlich schon seine Finger nach der Lichtung gestreckt.

- Aber ein anderer Abschiedsgruss der auf der Lichtung hinterlassen wird hat mich wie so oft viel mehr berührt: sie sind wieder unterwegs nach Süden.


-Viel Glück auf eurer Reise...und willkommen zurück!

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20. Oktober 2011

Zacken aus der Krone

Hätte ich es gewollte, nie im Leben hätte ich so genau getroffen!

- Mit Erlaubnis des Bauern war es dann an der Zeit der Sonne mehr Zugang auf die Lichtung zu bereiten und zwei Tannen sollten gefällt werden.
Und da ich ja kein Profi bin hieß es auch die Hilfe von ein paar maschinellen Pferdestärken zur Hilfe zu nehmen.


- Nachdem alles vorbereitet war setzte ich die Motorsäge an um den Fallschnitt zu schneiden und anschließend den Baum zu fällen.
Und er fiel auch...aber schon als er sich leicht neigte wusste ich es!
Leider fiel die 13-Meter-Tanne ganze neunzig Grad fehl und traf wirklich haargenau die Pumpe. Nicht einen Zentimeter verkehrt traf der Baum sie auf die Krone...und zerbröselte sie vollständig.
(zumindest der „Unterwasserteil“ ist heil geblieben)

- Nun ja, zum Glück ist ja sonst nichts passiert und damit egal. Das Selbstvertrauen des Holzfällers hat zwar einen leichten Knacks oder einen "Zacken aus der Krone" verloren, aber damit kann er leben.
Andererseits so hat genau das nur erst recht angespornt mich um den Brunnen zu kümmern, aber davon später mehr.


- Doch das Positive: die Sonne schickt jetzt eine halbe Stunde früher ihre Strahlen auf die Veranda und die Lichtung ist wieder ein wenig lichter geworden.

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